BlogBilderÜber michKontakt

Wie frei ist die ARD wirklich?

"Folter, Todesstrafe, Wahlpannen – Wie frei sind die USA wirklich?"

So der Titel des heutigen Auslandsberichts der ARD, der schon nichts Gutes ahnen lässt.

Dass der Bericht vom MDR kommt, der ja in Sachen Antiamerikanismus (unter anderem) die "Mutteranstalt" noch übertrifft, möchte ich mal ignorieren (man hat ja keine Vorurteile), aber der einleitende Satz macht einem gleich klar, woran man hier ist:

Beim Kampf für Demokratie und Menschenrechte vergessen die USA ihre Probleme im eigenen Land.

Aha. Statt also fremden Völkern Freiheit zu bringen und die der Europäer, die sie schon des Öfteren aus der Scheiße gezogen haben, zu garantieren, sollen die Amis doch endlich mal im eigenen Land für Ordnung sorgen. Das wird aber auch Zeit, schließlich haben sie die Demokratie schon länger am Stück laufen als die europäischen Länder zusammen.

Am Ende des ersten Abschnitts heißt es

In diesem Jahr haben nur 90 der insgesamt 193 Staaten das Gütesiegel "frei" erhalten, darunter auch die Vereinigten Staaten selbst.

Und weiter

Aber was heißt das eigentlich? Wie viele demokratische Grundrechte sind im sogenannten Krieg gegen den Terror durch die Regierung Bush bereits aufgeweicht worden?

Ich möchte jetzt nicht darauf herumreiten, dass es in den USA, im Gegensatz zu Deutschland/Europa, eine echte Gewaltenteilung gibt, weswegen die "Regierung Bush" keine Gesetze beschließen oder gar die Grundrechte aufweichen kann. Das ist schließlich ein Fauxpas, der einem Washington-Korrespondenten des öffentlich rechtlichen Rundfunks doch mal passieren kann. Viel interessanter finde ich seine Überraschung, dass die USA auch als frei eingestuft wurde. Aber frei ist nicht gleich frei, also muss es wohl einen Trick geben, wie die USA das wieder hinbekommen haben.

Den ersten Hinweis liefert der Vizechef von Freedom House (der NGO die die Länder nach frei, teilweise frei und unfrei einstuft):

"Wir stoßen bei unserer Arbeit auf Vorbehalte gegenüber den Vereinigten Staaten und sogar auf Entfremdung", sagt Stuart Eizenstat, früherer US-Botschafter bei der EU und heute Vizechef von Freedom House. "Unsere natürlichen Verbündeten im Einsatz für Demokratie und Menschenrechte fragen sich, ob unser Land überhaupt noch das Vorbild ist, als das es in früheren Zeiten immer galt."

Wenn sich schon die Europäer fragen, ob die USA noch ein Vorbild sind, kann da wirklich etwas nicht stimmen. Freedom House wird zwar hauptsächlich von der US-Regierung finanziert, aber die ARD kann die Leser beruhigen:

Als Zeichen ihrer Unabhängigkeit studierte Freedom House ausgiebig die Defizite im eigenen Land

Und immerhin haben sie ja die "88-jährige Journalistenlegende Helen Thomas" zu ihrer Buchvorstellung eingeladen,

die scharfzüngig und äußerst Bush-kritisch bis heute aus dem Weißen Haus berichtet und bei jeder Pressekonferenz vom US-Präsidenten ignoriert wird

Wer Bush-kritisch ist und noch dazu von ihm ignoriert wird, kann ja nur einer von den Guten sein. Scharfzüngig macht sie uns auch sofort klar, was in den USA nicht stimmt:

"Wir haben das verdient. Man schafft Freiheit nicht mit vorgehaltener Pistole. Oder wie im Irak durch einen Krieg, der illegal, unmoralisch und nicht zu rechtfertigen ist." Die Passivität des Kongresses, der Medien und einfachen Bürger habe dazu geführt, dass Menschenrechte beschnitten wurden - ohne dass es einen öffentlichen Aufschrei gab.

Ich lese zwar nur die Onlineausgaben von zwei amerikanischen Zeitungen regelmäßig, aber ich habe da einen ganz anderen Eindruck als die Journalistenlegende. Es gab nicht nur öffentliche Aufschreie am laufenden Band, sondern unter anderem auch Beschlüsse des Supreme Court, die die Regierung zurückpfiffen. Außerdem achten die Abgeordneten des Repräsentantenhauses und die Senatoren eifersüchtig auf ihre Rechte. Von Passivität kann da keine Rede sein. Was der Irakkrieg nun mit den Zuständen in den USA zu tun haben soll, erschließt sich wahrscheinlich auch nur Journalisten inside the beltway (womit auch der MDR-Korrespondent gemeint ist).

Weiter im Text:

Guantanamo und Abu Graib, das Abhören von US-Bürgern und geheime CIA-Gefängnisse in aller Welt gehören zu einer Sicherheitspolitik, die vermutlich weitere Terroranschläge auf die USA verhindert hat. Gleichzeitig schränkt diese Politik aber demokratische Grundrechte ein.

Das Abhören von US-Bürgern ist einer der Fälle, in denen die Judikative die Exekutive zurückgepfiffen hat. Erlaubt bleibt das zwar weiterhin, abhören darf aber nur der Kongress – die Legislative - und das auch nur unter bestimmten Vorraussetzungen. Das mag man gut oder schlecht finden, die Amerikaner haben aber mit der Direktwahl der Abgeordneten bessere Möglichkeiten als z.B. wir Deutschen, um dem einen Riegel vorzuschieben.

Die restlichen Beispiele des Abschnitts handeln mal wieder von Dingen, die sich außerhalb der USA abspielen. Dass die Vorgänge in Abu Graib nicht als das Werk Einzelner, sondern als Teil der Sicherheitspolitik der US-Regierung dargestellt werden, dürfte auf Dummheit, miserabler Recherche oder bewusster Falschdarstellung beruhen. Aber an Gefängnissen, egal ob sie geheim, im Ausland oder unter meinem Bett zu finden sind, zu bemängeln, dass sie die demokratischen Grundrechte einschränken, ist nun wirklich der Gipfel, werden sie doch genau dafür gebaut.

Bei einer genauen Analyse der Fehlstände in den USA darf natürlich der Rassismusvorwurf nicht fehlen:

"Ein Schwarzer landet mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu drei im Gefängnis - während der landesweite Schnitt bei 1:37 liegt."

Dass für einen Schwarzen die Wahrscheinlichkeit höher ist, ins Gefängnis zu kommen, dürfte daran liegen, dass im Verhältnis zum Anteil an der Bevölkerung (zum Teil sogar absolut) mehr Straftaten von Schwarzen und von Männern begangen werden (übrigens ist der Großteil der Opfer auch schwarz). Laut U.S. Department of Justice liegt die Wahrscheinlichkeit ins Gefängnis zu kommen für schwarzen Männer bei 28,5%, für weiße Männer bei 4,4%, für schwarze Frauen bei 3,6% und für weiße Frauen bei 0,5%. Bedenkt man, dass 62% der Ersttäter in Bundesgefängnissen und 31% in Staatsgefängnissen wegen Drogenbesitzes verhaftet wurden und dass 50% aller wegen Drogenbesitz Verhafteter schwarz sind, obwohl sie nur etwa 12% der Bevölkerung stellen, sehen die Statistiken schon etwas anders aus.

Zugeben, die Zahlen im Artikel wurden von der NGO zitiert, aber nach der Qualität des restlichen Berichtes zu urteilen würde es mich wenig wundern, wenn das Zitat so zusammengekürzt wurde, dass am Ende das gewünschte Ergebnis dasteht. Quellen werden bei der ARD keine angegeben, also kann ich das leider nicht überprüfen.

Wir nähern uns dem Ende des Artikels, aber irgendetwas fehlt doch noch.

Zu den Demokratiedefiziten gehört nach Ansicht von Freedom House auch die Todesstrafe, die in den meisten anderen Demokratien längst abgeschafft ist.

Richtig, die Todesstrafe. Das Thema darf natürlich nicht fehlen, wenn man die Vereinigten Staaten in die Pfanne hauen möchte. Ich bin ja auch im Allgemeinen gegen die Todesstrafe, aber dass manche Staaten der USA sie anwenden ist für mich kein Zeichen von Demokratiedefizit. Im Gegenteil. Die Todesstrafe gibt es in den Staaten, in denen die vom Bürger direkt gewählten Abgeordneten dafür sind und da sie selbstverständlich wieder gewählt werden wollen, vermeiden sie tunlichst Entscheidungen, die ihnen vom Wähler krumm genommen werden. Es wird die Kapitalstrafe in den einzelnen Staaten also genau so lange geben, wie die Bürger dort es wollen. Und das finde ich nun wirklich demokratisch.

Da ich am letzten Absatz des Artikels nichts auszusetzen habe, möchte ich zu meiner Anfangsfrage zurückkommen: Wie frei ist die ARD wirklich?

Kaum werden die USA oder ihr Präsident erwähnt, können die Angestellten des öffentlich rechtlichen Rundfunks nicht anders, als ihren antiamerikanischen Reflexen zu folgen.

Oder ist es gar kein persönlicher Zwang, sondern man möchte, den marktwirtschaftlichen Gesetzen folgend, dem Kunden das sagen was er gerne hört? Spiegel, Süddeutsche und Konsorten zeigen ja auch nicht mehr Objektivität. Aber nein, man zahlt die GEZ ja (bzw. ihr zahlt und ich benutze das "Angebot" als Schmarotzer ;) ), um eine umfassende und objektive Informationsquelle für alle Bürger zu gewährleisten und nicht, um einem im besten Falle mittelmäßig organisierten Unternehmen einen Wettbewerbsvorsprung zu geben. Also ist die Voreingenommenheit der Journaillen doch pathologisch…


PS: Irgendwie hat sich das Format ziemlich verzogen, ich werde demnächst mal probieren, das zu korrigieren.

Kommentare (0)  Permalink

Im Schnitt normal

Gestern habe ich ausnahmsweise auf meinen Arzt gehört und einen Sehtest gemacht. Den Letzten hatte ich vor acht oder neun Jahren gemacht und £25 sind eigentlich auch ok für eine gründliche Augenuntersuchung.
Selbstverständlich ging ich davon aus, dass ich perfekte Augen und eine Sehstärke von 130% habe, aber der Optiker war da anderer Meinung. Links soll ich weitsichtig und rechts kurzsichtig sein - im Schnitt also alles in Ordnung. Naja, nicht ganz. Stabsichtigkeit habe ich auch noch, aber in meinem bisherigen Leben waren horizontale Striche nicht wirklich wichtig.
Jetzt habe ich noch etwa 30 Minuten als Nicht-Brillenträger, in denen ich mir meine Umgebung so gut wie möglich einprägen muss. So werde ich die Welt nie wieder sehen...
Eine gute Sache hat die Geschichte aber doch: Ich habe eine Ausrede dafür, dass ich in letzter Zeit keine Bälle mehr fange. Als Receiver habe ich mich sowieso nicht sehr wohl gefühlt (das Team, für das ich jetzt gerade spiele, spielt ohne Tight End und ich wurde daher erstmal als Receiver eingesetzt) und als Lineman braucht man nicht ganz so gute Augen. Blocken macht ja auch mehr Spass als durch die Gegend rennen und rumheulen, wenn man nicht angespielt wird :)
Kommentare (3)  Permalink

Hisbollah schlägt UN in die Flucht

Das Leben als Blauhelm ist schon schwer, gerade in der UNIFIL. Da muss man sich schon dauernd anhören, dass die Hisbollah ihr Arsenal ungestört wieder aufstocken konnte und dann kann man noch nicht einmal so tun, als ob man seinen Auftrag ernst nehmen würde, weil die Jungs das nicht zulassen.
Haben die denn etwa schon vergessen, dass man sie im letzten Krieg mit den Positionen der israelischen Armee versorgt hat und sie sogar die Strom- und Wasserversorgung von UN-Grenzposten benutzen ließ? Ganz schön undankbar.
Kommentare (0)  Permalink

UN möglich (8)

Hier sind einige interessante Videos von "Eye on the UN" (via) über die Sonderbehandlung mancher Staaten und das Unterdrücken bestimmter Aussagen im UN Menschenrechtsrat:

14. Sept. 2007
11. Dez. 2007
24. Jan. 2008
13. März 2008
26. März 2008
Kommentare (0)  Permalink

Zitat(e) des Monats

Man kann nicht zugleich intelligent, ehrlich und Kommunist sein. Wenn man intelligent und Kommunist ist, dann ist man nicht ehrlich. Wenn man ehrlich und Kommunist ist, dann ist man nicht intelligent. Wenn man ehrlich und intelligent ist, dann ist man kein Kommunist.
Wenn ich mich richtig erinnere, wird der Witz Ronald Reagan zugeschrieben.
Ziemlich sicher bin ich mir aber, dass folgendes Zitat von ihm ist:

Ein Kommunist hat Marx und Engels gelesen - ein Antikommunist hat sie verstanden.
Kommentare (0)  Permalink

Voreingenommene Umfragen

Bei Welt Online habe ich heute die Umfrage "Soll man die Todesstrafe weltweit abschaffen?" gefunden. Wie zu erwarten wurde im Einführungstext ein Fall aus den USA genannt und auch in der Kommentarsektion hat man fast ausschließlich Fälle aus Amerika erwähnt, bzw. das amerikanische Rechtssystem "kritisiert". Auf dem Blog "USA erklärt" findet sich ein Eintrag, der sich mit dem Thema Todesstrafe in den USA beschäftigt (nebenbei wird noch mit dem Mythos, Schwarze würden bei einem Mord eher zum Tode verurteilt, aufgeräumt) und dass es sie noch genau so lange gibt, wie die Wähler der einzelnen Bundesstaaten sie haben wollen, der Welt Online Leser oder gar die UN also nicht mitzureden haben.

Ich möchte jetzt nicht das Für und Wider von Todesstrafen diskutieren, sondern vielmehr die Art, wie die Umfrage gestaltet war.

Wer für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe war, konnte für "Ja, sie verstößt gegen die grundlegenden Menschenrechte." stimmen, die Contraposition wurde mit "Nein, die Todesstrafe schreckt Verbrecher ab." dargestellt.

Allein durch die Auswahl dieser beiden Antwortmöglichkeiten wird m.E. schon eine gewisse Tendenz beim Abstimmungsverhalten bewirkt. Wer stimmt schon gerne gegen Menschenrechte, gegen Grundlegende noch dazu.
Aber es gibt auch mehr als die oben genannten Gründe, für oder gegen die Todesstrafe sein. Man könnte z.B. der Meinung sein, die Todesstrafe verstößt nicht gegen Menschenrechte, aber z.B. aus Kostengründen dennoch dagegen sein. Durch die Vielzahl an teuren Berufungsverfahren kostet ein in einem Bundesstaat der USA zum Tode Verurteilter den Steuerzahler mehr als ein Häftling, der lebenslänglich im Gefängnis sitzt. Dieses Argument zählt natürlich nicht für Länder wie China oder Iran, in denen die Verurteilten selten eine zweite Chance bekommen und möglichst schnell hingerichtet werden. Mit dem Argument der Menschenrechte kann man diesen Ländern natürlich auch nicht kommen, aber es gibt ja noch weitere Argumente gegen die Todesstrafe.
Letzten Endes können sich die Gegner der Todesstrafe wohl mit der Auswahlmöglichkeit arrangieren, bei den Befürwortern wird aber wohl einiges an Überwindung dazugehören. Nachdem sie sich schon damit auseinandersetzen mussten, ob sie wirklich gegen grundlegende Menschenrechte stimmen möchten, ist das Argument, die Todesstrafe schrecke Verbrecher ab, eine wahre Zumutung. Ich kenne keine Statistik, die das bestätigen würde (falls jemand eine solche kennt, gebt mir bitte den Link dazu) und wer die Statistiken kennt und glaubt, wird sich mit der Auswahl dieser Antwort schwer tun.

Dass in den Medien die Umfragen so gestaltet werden, dass der Leser zu einem bestimmten Abstimmungsverhalten tendiert ist ja nichts Neues. Die hier war aber so offensichtlich tendenziös, dass ich spontan etwas dazu schreiben musste ;)
Kommentare (0)  Permalink

Keine Gentechnik gegen Hunger

Der Artikel "Warum kehrt der Hunger zurück?" auf der ARD Homepage beschreibt Ursachen und Hintergründe der aktuellen Hungerwelle in der dritten Welt. Mittlerweile hat man sich sogar dazu durchgerungen, den Biospritanbau (m.E. der Hauptgrund) als eine der Ursachen zu benennen - keine Selbstverständlichkeit beim öffentlich rechtlichen Rundfunk. Durch den Klimawandel bedingte Umweltkatastrophen (!) haben selbstverständlich nie als Ursache gefehlt und auch bei diesem Artikel werden sie auch zuerst genannt.
Vergeblich sucht man jedoch weiterhin Hinweise auf den Protektionismus der EU (und meines Wissens auch der USA), der z.B. hohe Zölle auf importierte Agrarprodukte bewirkt hat, während durch vom europäischen Steuerzahler durch Subventionen künstlich verbilligte (und so überhaupt erst konkurrenzfähig gemachte) Produkte den Markt der dritten Welt mit Preisen überschwemmen, gegen die die dortigen Produzenten nicht mithalten können. Dass die Verbraucher sich für das günstigere Produkt entscheiden ist natürlich und gut. Dass sie sich die Produkte aber nicht mehr leisten können, wenn die Preise, aus welchen Gründen auch immer, bei uns steigen und es keine Alternativen gibt, da es kaum ortsansässige Produzenten gibt, liegt meiner (Laien-) Meinung aber daran, dass die Märkte nicht geöffnet wurden, die Globalisierung in diesem Bereich also noch nicht einmal begonnen hat.
Am Ende des ARD-Artikels wird noch auf die Gentechnik eingegangen. Grüne Gentechnik ist eine der Technologien, die die meisten Leben gerettet hat. Milliarden von Menschen wurde der Hungertod erspart und eine Verbreitung genmanipulierter Pflanzen, die im Gegenteil zur landläufigen Meinung sogar gesünder als nicht veränderte Pflanzen sind, könnte die Erträge der Ernten wiederum erhöhen.
Bei der ARD klingt das Ganze allerdings so:

Mit Hilfe der Gentechnik könnte das Ernährungsproblem gelöst werden. So zumindest versprechen es die Forschungschefs von Agrarkonzernen. Die Welthungerhilfe sieht das kritisch: "Da wird über die Hintertür versucht, die Gentechnik den Entwicklungsländern aufs Auge zu drücken. Aber das ist nicht die Lösung des Problems", sagt Welthungerhilfe-Pressesprecherin Sabine Pott gegenüber tagesschau.de.

Mal davon abgesehen, dass der zweite Satz suggeriert, dass es sich hier nur um die Meinung von Lobbyisten handelt, finde ich schon interessant, was die Pressesprecherin der Welthungerhilfe davon hält. Natürlich ist Gentechnik nicht DIE Lösung des Problems, sondern ein Teil der Lösung und der am einfachsten zu realisierende noch dazu. Anstatt dies zu begrüßen, verlegt sich die Welthungerhilfe lieber auf Polemik (Gen=schlecht), hat als Alternativen jedoch nur Entwicklungshilfe, die in den letzten Jahrzehnten die Macht etlicher Despoten gesichert hat, parat. Aber vielleicht ist es nicht die in Deutschland gerade moderne Technologiefeindlichkeit, die die Welthungerhilfe zu solchen Sätzen verleitet, sondern vielmehr pure Existenzangst. Ohne Welthunger gibt es nämlich keine Welthungerhilfe und das kann doch wirklich niemand wollen.
Da fällt mir noch eine Reportage über den Wiederaufbau nach dem Tsunami in Indonesien ein. Da hat sich die Welthungerhilfe beschwert, dass es nicht genügend Spendengelder gibt und diese zum Großteil nicht vernünftig eingesetzt werden können, da sie an einen bestimmten Zweck gebunden wären. Dass sie sich jedoch einen komplett neuen Fuhrpark geleistet hatten, ist selbst dem Kommentator aufgefallen...


Weitere Artikel zum Thema:

Das tägliche Brot

Global warming rage lets global hunger grow

EU defends biofuel goals amid food crises

Rising food prices could be a blessing in disguise
Kommentare (3)  Permalink

Flüchtlinge im Nahen Osten

Das Video ist noch nicht online, aber hier ist schon mal das Statement von UN Watch vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen zum Thema Rassismus und historische Wahrheit. Der Redner ist einer von fast einer Million durch den Arabisch-Israelischen Konflikt hervorgebrachten Flüchtlinge, die alle kein Rückkehrrecht (mal abgesehen davon, ob sie das wollen oder nicht) oder gar Entschädigungen bekommen. Obwohl sie tatsächlich allen Grund hatten, um ihr Leben zu fürchten und die Mehrheit von ihnen nicht einfach ein paar Kilometer weit "umgesiedelt" ist, um den arabischen Armeen bei ihrer Arbeit nicht im Weg zu stehen, wird das auch nirgends thematisiert.
Das liegt daran, dass es sich erstens um jüdische Flüchtlinge handelt und diese zweitens die israelische Staatsbürgerschaft bekamen und alles unternommen wurde, sie zu integrieren, anstatt sie als Politikum im Elend zu halten.

Hier also schon einmal die Rede, das Video wird nachgereicht:

Thank you, Mr. President.

We thank the Special Rapporteur for his work against racism, and address two areas of his report.

Dr. Diene, in Addendum 1 you mention Libya’s treatment of ethnic minorities. In Addenda 3 and 4, you envision a multicultural society based on two principles: respect for historical truth and non-discrimination against minorities.

As a victim of Libyan discrimination, I agree: only with historical truth can we build a better future.

Today I wear my traditional ethnic dress to celebrate my heritage, but also to mourn its destruction.

One million Jews lived in the Middle East at the turn of the century. Today, less than five thousand remain.

Their plight has been ignored by the international community.

Their story is my story.

In 1948, there were thirty-six thousand Jews living in Libya. Today, there are none.

During the 1967 war between Israel and her Arab neighbors, mobs took to the streets and shouted, “Edbah el Yehud!” — “Slaughter the Jews!”

They burned my father’s warehouse and came to burn our home.

An honorable Muslim neighbor stopped them, and saved our lives.

The government ordered the expulsion of all Jews from Libya, where my family had lived for hundreds of years. They confiscated our homes and all our assets.

We were given this one-way travel document — never allowed to return.

My family was put on a bus to the airport. The bus driver got out, and tried to burn the bus with us in it. We were rescued from death by two Christian friends.

I come here today bearing no hatred -- only these historical truths:

  • Jews have been an indigenous people of the Middle East for over 2,500 years.

  • On the basis of race and religion, Arab regimes subjected Jews to arbitrary arrest, confiscation of property and expulsions. This is fully documented in this report by Justice for Jews from Arab Countries.

  • The UNHCR has ruled that Jews fleeing from Arab countries were ‘bona fide’ refugees, victims of the Arab-Israeli conflict.

Dr. Diene, your report envisions a future of tolerance and equality. Applying the principles you set forth, we trust you will examine the actions of Libya and other Middle Eastern countries that forced out their Jewish minorities.

Like in South Africa, only the acknowledgment of truth and history will lead to reconciliation.

Thank you, Mr. President.
Kommentare (0)  Permalink

You don't mess with the Zohan

Klasse Trailer zum neuen Adam Sandler Film, der im Sommer in die Kinos kommt:

Kommentare (0)  Permalink

Klimafakten

Gestern habe ich von der Idee gelesen, Helgoland durch Aufschüttungen mit der vorgelagerten Düne, von der die Hauptinsel seit knapp 300 Jahren getrennt ist, wieder zu verbinden. In der Kommentarsektion zu dieser Meldung tummelten sich die Klimaapokalyptiker zu Hauf, Gerüchte, Halbwahrheiten und blanker Unsinn wurden als Fakten dargestellt.
Nun ist die Idee der Mensch sei für den Klimawandel verantwortlich nicht gerade neu, nur wird leider viel zu aufgeregt und wissenschaftsfern darüber diskutiert. Daher wollte ich ein paar Fakten über das Klima zusammentragen und stieß bei der "Recherche" auf das Klimalexikon, das Dirk Maxeiner für die Weltwoche (Ausgabe 05/2007) geschrieben hat. Froh über diese Arbeitserleichterung möchte ich den Text einfach mal vollständig zitieren:

Was ist «Klimawandel»?

Klimawandel ist der Normalfall. Das Klima hat sich verändert, solange die Welt existiert, und wird dies auch weiterhin tun. Schon vor dem Erscheinen des Menschen gab es wärmere und kältere Zeiten als heute, mitunter auch abrupte Temperaturschwankungen um mehrere Grad innerhalb weniger Jahre.

Was bedeutet «globale Erwärmung»?

Unter «globaler Erwärmung» wird im Allgemeinen eine vom Menschen verursachte Erwärmung verstanden. Sie wird in erster Linie auf Kohlendioxid zurückgeführt. Es wird durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe schneller ausgestossen, als die Natur es absorbieren kann, und häuft sich in der Atmosphäre an. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass zumindest bei der Erwärmung der letzten dreissig Jahre der Einfluss des Menschen überwiegt.

Was ist unter «Klimakatastrophe» zu verstehen?

Klimakatastrophe ist ein von Medien und Umweltaktivisten geprägter Begriff. Er wird meist im Kampf um politische Ziele bemüht. Wetterextreme werden als repräsentativ für die Zukunft dargestellt und mit Bildern von Stürmen, Fluten, versinkenden Städten und Inseln emotionalisiert. Die Endzeitprognosen basieren auf Spekulationen, beispielsweise dem vollständigen Abschmelzen der Pole oder dem Ausbleiben des Golfstromes. Solche Entwicklungen sind für die absehbare Zeit sehr unwahrscheinlich.

Was ist Klima?

Klima ist die Statistik des Wetters. Der Begriff bezieht sich auf einen längeren zeitlichen Mittelwert von Einflussgrössen wie Temperatur oder Niederschlag. Während jedermann das tägliche Wetter spüren und empfinden kann, handelt es sich beim Begriff «Klima» um ein Hilfsmittel, das der Wissenschaft die Beschreibung von langfristigen Veränderungen ermöglichen soll. Die «Globaltemperatur» beispielsweise ist ein statistisches Artefakt und herrscht nirgendwo tatsächlich. Das lässt sich mit dem globalen Durchschnittseinkommen vergleichen, das ja auch niemand wirklich bezieht. Und doch sind beide Grössen für die Wissenschaft hilfreich, um grundsätzliche Entwicklungen auf dem Planeten darzustellen.

Für die Beschreibung des Klimas werden Temperaturen, Niederschläge, Luftfeuchtigkeit, Sturmhäufigkeit und dergleichen über einen Zeitraum von mindestens dreissig Jahren gemittelt. Die meisten Klimabetrachtungen erstrecken sich aber über Jahrhunderte, Jahrtausende oder noch längere Zeiträume. Aus Abweichungen vom langfristigen Mittel lesen Klimaforscher Trends ab, etwa den Übergang von einer Warmzeit in eine Kaltzeit, wie in den letzten tausend Jahren zwischen dem warmen Mittelalter und der folgenden Kleinen Eiszeit.

Was ist Konsens unter den Wissenschaftlern?

Es herrscht Einigkeit darüber, dass der Mensch das Klima beeinflusst. Das hat er bereits in der Vergangenheit getan. Eine Weltbevölkerung von über sechs Milliarden Menschen tut es noch mehr. Lokale Veränderungen wie Entwaldung, Landwirtschaft, Überweidung, Bewässerung und wachsende Grossstädte tragen dazu genauso bei wie grossräumig wirkende Emissionen durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe oder die Haltung von Nutztieren. All dies kann direkte oder indirekte Auswirkungen auf das Klima haben. Einigkeit herrscht auch darüber, dass eine erhöhte Konzentration von Treibhausgasen tendenziell zu einer stärkeren Erwärmung der Atmosphäre führt. Alles andere ist umstritten. Keine Einigkeit herrscht insbesondere darüber, inwieweit der zusätzlich vom Menschen verursachte Treibhauseffekt durch andere künstliche oder natürliche Einflüsse verstärkt, abgeschwächt oder überlagert wird. Dies ist einer der Gründe, warum es eine so grosse Bandbreite der Prognosen für eine künftige Temperaturentwicklung gibt.

Wie hoch ist die Globaltemperatur?

Am häufigsten werden die Angaben des britischen Climatic Research Unit (CRU) und des Goddard Institute for Space Studies (GISS) der Nasa zitiert. In der Regel werden keine absoluten Zahlen für die Globaltemperatur genannt, sondern nur die Abweichungen gegenüber einem 30-jährigen Mittelwert. CRU zieht dafür den Zeitraum von 1961 bis 1990 heran, dessen Mittel bei 14,0 Grad lag. 2005 wich davon um 0,48 Grad nach oben ab, dies ergibt 14,48 Grad. 2006 lag nach vorläufigen Berechnungen etwas darunter bei 14,42 Grad. Das wärmste Jahr der jüngsten Vergangenheit war 1998 mit 14,52 Grad.

Hat die klassische Luftverschmutzung etwas mit der globalen Erwärmung zu tun?

Die Emissionen aus Schloten und Auspuffen enthalten kleine Staubpartikel, sogenannte Aerosole. Nach der herrschenden Lehrmeinung haben sie insgesamt einen eher kühlenden Effekt: Je höher die Luftverschmutzung, desto grösser die Abkühlung. Damit wird versucht, die trotz steigendem Kohlendioxid sinkenden Temperaturen von 1940 bis 1970 zu erklären.

Wie wird die Globaltemperatur ermittelt?

Um den Globus herum stehen einige tausend Messstellen an Land und auf Schiffen zur Verfügung. Jede Station errechnet aus mehreren Messungen über 24 Stunden eine durchschnittliche Tagestemperatur, aus der wird dann über 365 Tage die Jahresmitteltemperatur generiert. Die Werte von Nord- und Südhalbkugel, auf dem Land und auf dem Meer, werden zusammengenommen und wiederum gemittelt. Heraus kommt die Globaltemperatur.

Es sind zahlreiche Probleme zu bewältigen: Messungen auf den Ozeanen sind bei weitem nicht so dicht gesät wie an Land. Auch dort konzentrieren sich Messstellen in gut zugänglichen Gegenden, nur wenige Stationen gibt es in der Sahara, der Antarktis oder dem Tropenwald. Ehemals in ländlichen Regionen installierte Thermometer wurden von städtischer Bebauung eingeholt. Städte bilden die Temperatur verfälschende «Hitzeinseln», die man herauszurechnen versucht.

Wie ungewöhnlich ist unser gegenwärtiges Klima?

Würde man die gegenwärtigen Temperaturen mit der mittelalterlichen Warmzeit vergleichen, ergäbe sich keine Erwärmung. Wie bei allen statistischen Betrachtungen hängt die Aussage sehr stark von den Zeitabschnitten ab, die man für einen Vergleich auswählt. Unser heutiges Klima wird am häufigsten in Beziehung zu den vergangenen 150 Jahren gesetzt. Viele Temperaturkurven fangen mit dem Beginn der regelmässigen Messungen um 1860 an. Dieser Termin fällt mit dem Ende der Kleinen Eiszeit und somit einem Temperatur-Minimum zusammen. Man vergleicht also mit einem Extremwert.

Wird die Erwärmung immer dramatischer?

Ein Blick auf den Temperaturverlauf der letzten hundert Jahre zeigt bis etwa 1940 einen ähnlich raschen Anstieg wie heute, obwohl die Treibhausgase dabei noch keine grosse Rolle gespielt haben können. Danach kühlte es ab (es wurde deshalb eine neue Eiszeit befürchtet). Seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nimmt die Temperatur um knapp 0,2 Grad pro Jahrzehnt zu. Der beobachtete globale Erwärmungstrend der letzten Dekaden verläuft bis dato ziemlich gleichmässig und linear – und nicht exponentiell. Er bewegt sich damit seit drei Jahrzehnten im unteren Bereich der von Klimamodellen für die Zukunft prognostizierten Werte.
Als wärmstes Jahr gilt 1998, in dem die zyklische Meereserwärmung El Niño in besonders starker Ausprägung auftrat. In den acht Jahren seitdem wurde der Rekordwert nicht mehr übertroffen.

Wie global ist die globale Erwärmung?

Die globale Erwärmung ist erstaunlich regional. Schon die getrennte Betrachtung von Nord- und Südhalbkugel offenbart das. So entfallen etwa drei Viertel der Erwärmung der letzten dreissig Jahre auf die nördliche Hemisphäre. Die Südhalbkugel, die zum überwiegenden Teil von Meeren bedeckt ist, zeigt nur sehr moderat steigende Temperaturen. Eine Analyse der Erwärmungsmuster auf der Nordhalbkugel ergab, dass über zwei Drittel der Erwärmung der letzten fünfzig Jahre im Winter stattgefunden haben. Und beinahe 80 Prozent dieses winterlichen Temperaturanstiegs konzentrieren sich auf die kältesten Gebiete von Sibirien und Nordamerika, wo die Temperaturen in der Polarnacht 40 Grad und mehr unter dem Gefrierpunkt liegen (es ist dann nicht mehr ganz so kalt). Auf die winterliche Erwärmung dieser Gebiete – und damit nur auf einen kleinen Bruchteil der Fläche der Nordhalbkugel – entfällt etwa die Hälfte der gesamten Erwärmung.

Das Phänomen lässt sich mit einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Man stelle sich ein Haus vor, in dem es im Keller minus 20 Grad kalt ist und unter dem Dachboden plus 20 Grad warm. Als Durchschnittstemperatur ergäbe sich null Grad. Wenn es nun im Keller nur noch 10 Grad minus hat, dann ergibt sich daraus eine durchschnittliche Erwärmung des Hauses um fünf Grad. Was nichts daran ändert, dass im Keller immer noch Dauerfrost herrscht. Auch in unseren Breiten haben mildere und kürzere Winter sowie weniger kühle Sommernächte einen grösseren Anteil an der Erwärmung als etwaige Hitzerekorde.

Ist der Treibhauseffekt vom Menschen verursacht?

Der Treibhauseffekt ist zunächst einmal ein natürliches Phänomen. Zusammen mit dem Wasserdampf und anderen Spurengasen sorgt das Kohlendioxid für lebensfreundliche Temperaturen. Die Hülle der verschiedenen Gase bewirkt, dass ein Grossteil der von unserem Planeten ausgehenden Wärmestrahlung reflektiert wird. Grob vereinfacht ist das wie eine Nebelwand, durch die man nachts mit dem Auto fährt. Der Nebel verschluckt das Scheinwerferlicht und fängt an zu leuchten, so dass ein Teil auf den Fahrer zurückgeworfen wird.

Ohne Treibhauseffekt wäre der Planet nicht 15 Grad warm, sondern minus 18 Grad kalt. Er erwärmt die Erde also um etwa 33 Grad. Tatsächlich ist die Sache noch komplizierter: «Würde der natürliche Treibhauseffekt ungedämpft wirken», sagt der Nasa-Klimaforscher Roy Spencer, «so wäre die Erde rund 55 Grad heiss.» Die Natur hat in Form von Verdunstung und Wetterprozessen offenbar ein Kühlsystem installiert, das aber kaum verstanden ist.

Bei der Klimadiskussion ist im Gegensatz zum natürlichen der «anthropogene» Treibhauseffekt gemeint, also eine Verstärkung des Phänomens durch den Menschen. Eine Verdoppelung des Kohlendioxidanteils gegenüber der vorindustriellen Zeit würde den natürlichen Treibhauseffekt um etwa 2,5 Prozent verstärken. Wie gross die Temperatursteigerungen sind, zu denen das im Klimasystem tatsächlich führen wird, ist unsicher.

Die Funktion des Kohlendioxids ist allerdings logarithmisch. Wollte man seine zusätzliche Wirkung noch einmal verdoppeln, müsste man die CO2-Konzentration bereits vervierfachen, dann verachtfachen und so weiter. Es strebt also einem Sättigungspunkt entgegen, an dem neu in der Atmosphäre hinzukommende Moleküle praktisch keine zusätzliche Wirkung mehr haben. Genau wie bei einem Treibhaus, bei dem es nichts mehr bringt, noch dickere Scheiben zu installieren.

Ist Kohlendioxid das wichtigste Treibhausgas?

Mindestens zwei Drittel des natürlichen Treibhauseffektes gehen auf das Konto von Wasserdampf. Den Rest verursacht vor allem Kohlendioxid, hinzu kommen noch Gase wie bodennahes Ozon oder Methan. Es ist auch weniger die unstrittige, aber relativ geringe Treibhauswirkung des Kohlendioxids selbst als vielmehr die Vermutung eines erheblichen Verstärkungseffektes durch Wasserdampf, auf dem das gängige wissenschaftliche Gebäude aufbaut.

Für den Fall einer Verdoppelung der Kohlendioxidkonzentration ergäbe sich eine direkte zusätzliche Treibhauswirkung von nicht einmal einem Grad. Wie kommen dann Prognosen zustande, die einen Temperaturanstieg um mehrere Grad voraussagen? Diesen liegt folgende Hypothese zugrunde: Die ursprüngliche leichte Erwärmung lässt mehr Wasser verdunsten, und der zusätzliche Wasserdampf lässt die Temperaturen dann noch mehr steigen. Die Wissenschaftler nennen dies eine «positive Rückkoppelung».

Theoretisch-physikalisch ist dieser Prozess klar. Was aber tatsächlich im komplexen Geschehen der Atmosphäre abläuft, ist unklar. Und in diesem entscheidenden Punkt liegt auch die Achillesferse aller gängigen Klimamodelle und Prognosen. Das Verhalten des Wasserdampfes und die Wolkenbildung sind nämlich kaum verstanden und können auch nicht im Rechner simuliert werden. Verschiedene Wolken in verschiedenen Höhen können wärmende Wirkung (positive Rückkoppelung), aber auch kühlende Wirkung (negative Rückkoppelung) haben. Ihre kühlende Wirkung hat jeder schon einmal erlebt, wenn sich im Sommer eine Wolke vor die Sonne schiebt. Was bei den teilweise gegenläufigen Temperatureffekten unter dem Strich herauskommt, ist schwer zu sagen.

Ist die Verantwortung von Kohlendioxid für die Erwärmung bewiesen?

Für eine dominierende Rolle des Kohlendioxids im aktuellen Klimageschehen gibt es keinen direkten Beweis, sondern nur eine indirekte Herleitung: Man glaubt alle anderen Ursachen für die in den letzten dreissig Jahren beobachtete Erderwärmung ausschliessen zu können. CO2 bleibt derzeit nach Meinung der meisten Klimaforscher als einziger Tatverdächtiger übrig.

Richtig ist: Die Kohlendioxid-Konzentration ist seit der vorindustriellen Zeit um etwa ein Drittel angestiegen, von etwa 0,029 Prozent auf heute 0,038 Prozent. Richtig ist auch, dass die Temperatur im gleichen Zeitraum um etwa 0,7 Grad angestiegen ist. Der Zusammenhang beider Entwicklungen ist aber nicht sehr deutlich. Das Kohlendioxid stieg langsam und stetig an. Man sollte also meinen, dass die Temperaturen in diesem Zeitraum ebenfalls kontinuierlich zugenommen hätten. Das ist aber nicht der Fall. Erst wurde es wärmer, dann wieder kälter, dann stiegen die Temperaturen wieder an. Die meisten Klimaforscher halten Kohlendioxid als Hauptfaktor für die Erwärmung der vergangenen dreissig Jahre dennoch für erwiesen.

Dem widersprechen eine Reihe Astrophysiker und Geowissenschaftler, die einen anderen Tatverdächtigen präsentieren. Sie glauben, dass zwei Drittel der Temperaturschwankungen mit der kosmischen Strahlung erklärbar sind. Sie könnte somit der Hauptmotor für Erwärmung und Abkühlung sein. Die kosmische Strahlung muss man sich wie einen unsichtbaren Sandsturm vorstellen. Sie stammt von explodierenden Sternen in der Galaxie und enthält winzige Partikel, die beim Auftreffen auf die Erdatmosphäre Kondensationskerne und in der Folge Wolken bilden. Eine Änderung der Wolkenbedeckung um nur wenige Prozent hat enorme Auswirkungen auf das Erdklima.

Die Kausalkette dafür scheint plausibel und lässt sich physikalisch genauso schlüssig wie die Kohlendioxid-Hypothese erklären: Die auf die Atmosphäre treffende kosmische Strahlung wird von der Sonne moduliert. Je stärker das Magnetfeld der Sonne ist, desto mehr schirmt sie die Erde gegen den Partikelsturm ab. Nun hat sich das Magnetfeld der Sonne im 20. Jahrhundert verdoppelt. Weil die Erde dadurch besser abgeschirmt wird, bilden sich in den unteren Schichten weniger kühlende Wolken: Es wird wärmer. Doch auch hier gilt das gleiche Problem wie bei der Kohlendioxid-Hypothese: Die Physik der oberen Atmosphäre ist zu wenig verstanden. Forscher aus 18 Instituten und 9 Ländern haben sich inzwischen zu dem Grossprojekt «Cloud» (Wolke) zusammengetan, um unter anderem mit einem Experiment am Cern (Europäische Organisation für Kernforschung) in Genf zu überprüfen, ob und wie der diskutierte Erklärungsansatz für den Einfluss der Sonnenaktivität auf unser Klima funktioniert.

Das ändert nichts an einem durch Kohlendioxid intensivierten Treibhauseffekt – es könnte sich aber herausstellen, dass er in seiner Wirkung überschätzt wird. Möglicherweise treffen beide Hypothesen zu, und die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Prinzipiell ist es wenig plausibel, dass die natürlichen Einflüsse, die für die rasche Erwärmung in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts eingeräumt werden, plötzlich aufgehört haben sollten zu existieren. Das letzte Wort in dieser Hinsicht ist nicht gesprochen.

Steigt der Meeresspiegel immer schneller an?

Der Meeresspiegel stieg am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren rasch, in den letzten paar tausend Jahren aber nur noch ganz langsam an. Satellitenmessungen ergeben einen Anstieg zwischen einem und drei Millimetern pro Jahr, das wären in hundert Jahren 10 bis 30 Zentimeter. Dabei kommt der Wärmeausdehnung des Wassers vermutlich eine grössere Rolle zu als zusätzlichem Schmelzwasser. Es gibt Regionen, in denen der Pegel sich etwas schneller erhöht, in anderen sinkt er. Das deutet darauf hin, dass natürliche und zyklische Einflüsse eine Ausdehnung des Wassers infolge der Erwärmung deutlich überlagern. Die Weltmeere sind keine spiegelglatte Wassermasse, die lediglich der Krümmung der Erdkugel unterliegt. Weil Masse und Anziehungskraft der Erde ungleich verteilt sind, weist die Meeresoberfläche Senken und Höhen mit einem Unterschied von bis zu 130 Metern auf. Auch Winde und Strömungen lassen den Meeresspiegel an manchen Orten steigen, an anderen sinken. Nach einer Studie von Anfang 2007 ist der Anstieg in der zweiten Hälfte des letzen Jahrhunderts insgesamt geringer ausgefallen als in den fünfzig Jahren zuvor.

Schmelzen die Pole?

Die Situation an den Polen ist nicht eindeutig. Am Südpol ist es in den letzten Jahrzehnten überwiegend kälter geworden. Wenn von einer Erwärmung die Rede ist, bezieht sich dies in der Regel auf die Antarktische Halbinsel. Die macht allerdings nur 2 Prozent der antarktischen Landmasse aus. Am Nordpol ist es hingegen tatsächlich wärmer geworden, allerdings gibt es regional sehr grosse Unterschiede. Der Nordpol besteht aus auf dem Wasser schwimmendem Eis, das den Meeresspiegel beim Schmelzen nicht ansteigen lässt (genauso wenig wie ein Eiswürfel im Wasserglas). Abschmelzende Eismassen auf den Festlandsockeln der Antarktis oder Grönlands würden den Meerespegel aber sehr wohl ansteigen lassen. Diese Eismassen verändern sich derzeit; während das Eis an den Rändern teilweise abnimmt, kommt im Inneren durch Niederschlag neues hinzu. Die Antarktis scheint insgesamt stabil, in Grönland soll zwischen 1993 und 2003 ein Netto-Verlust an Eismasse zwischen 50 und 100 Gigatonnen pro Jahr stattgefunden haben. Diese Jahresmenge entspricht grob abgeschätzt einem Fünfzigtausendstel des gesamten Eisschildes.

Schmelzen die Gletscher?

In den Alpen nehmen die Gletscher ab – wie fast überall auf der Welt. Auch hier ist es schwierig, eine Abgrenzung zwischen natürlichen Zyklen und einem menschengemachten Klimawandel als Ursache vorzunehmen. In den Schweizer Zentralalpen gab es in den letzten 10000 Jahren acht ähnliche Rückzugsphasen, teilweise über den heutigen Stand hinaus. In den Geröllhalden finden sich Zeugnisse früherer Vegetation und Zivilisation.

Gibt es immer mehr Naturkatastrophen?

Für diese Behauptung gibt es keine eindeutige Datenlage. Beispielsweise ist nicht klar, ob extreme Wetterereignisse zugenommen haben – oder nur die Aufmerksamkeit für diese. Richtig ist, dass die materiellen Schäden immer mehr zunehmen. Das liegt aber vor allem daran, dass immer mehr Menschen in gefährdeten Gebieten – beispielsweise an den Küsten – siedeln. Auch haben sie durch wachsenden Wohlstand immer mehr Hab und Gut. Und sie sind immer häufiger versichert. Wichtig ist auch: Die Zahl der bei klimabedingten Katastrophen umgekommenen Menschen ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts stark rückläufig. Dies liegt daran, dass man sich gegen Stürme, Fluten, Missernten und dergleichen heute besser schützen kann. Trotz steigender Temperaturen ist das Leben für die Menschen sicherer geworden.

Versiegt der Golfstrom?

Die Wahrscheinlichkeit für ein Versiegen des Golfstromes im 21. Jahrhundert liegt nahe bei null. Die Theorie hinter dem Szenario beruht auf der sogenannten thermohalinen Zirkulation. Warmes Wasser strömt vom Golf kommend nach Norden. Da auf dem Weg dorthin viel Wasser verdunstet, erhöht sich der Salzgehalt, das Wasser wird schwerer. Im Norden sinkt das abgekühlte schwere Wasser in die Tiefe und fliesst dann zurück in den Süden. Ein Abschmelzen der Polkappen würde den Ozean mit Süsswasser «verdünnen», die leichteren Wassermassen könnten nicht mehr in die Tiefe sinken, und das Förderband des Golfstroms käme zum Stillstand. So könnte die globale Erwärmung Europa eine Kaltzeit bescheren, lautet die Hypothese. 2005 glaubte man tatsächlich eine 30-prozentige Abschwächung des Strömungsantriebs des Golfstroms festgestellt zu haben – was sich inzwischen als falsch herausgestellt hat. Hinzu kommt: Der Golfstrom wird in erster Linie von dem Windsystem über dem Nordatlantik und von der Erdrotation in Schwung gehalten. Der Ozeanograf Carl Wunsch vom Massachusetts Institute of Technology sagt: «Wer den Golfstrom wirklich zum Stillstand bringen will, muss entweder die Winde abschalten oder die Erde anhalten. Oder beides.»
Kommentare (0)  Permalink
Next1-10/106