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Ökumene? Wozu?

Vor kurzem gab es mal wieder ein Geschrei um ein Schreiben aus dem Vatikan. In diesem wurde gesagt, dass die katholische Kirche die einzig wahre Kirche Christi sei.

Mal ganz davon abgesehen, dass von den Schreienden wohl keiner die Argumentation verstanden hat, habe ich mich gefragt, was im umgekehrten Falle passiert wäre.
Es ist wohl davon auszugehen, dass die Mehrheit der Katholiken sich noch nicht einmal die Zeit genommen hätte, mit der Schulter zu zucken, wenn eine der evangelischen Kirchen gesagt hätte, die katholische Kirche wäre gar keine (da werden tatsächlich noch ganz andere Sachen gesagt und keinen kümmerts).

Der katholischen Kirche wird dauernd die Sabotage der Ökumene vorgeworfen während Dutzende der evangelischen Kirchen noch nicht einmal untereinander gemeinsam das Abendmahl feiern können.

Dabei wird viel zu selten die Frage gestellt, wozu man denn die Ökumene braucht.
Wozu will man eine entstandene Vielfalt künstlich uniformieren?

Damit die Ökumene funktioniert, müssten alle Beteiligten Kompromisse eingehen, ihre provokanten Seiten beschneiden.
Religion muss aber Kanten haben, Religion muss Widerspruch erzeugen und Religion braucht Andersdenkende. Der Dialog mit Atheisten und Menschen anderer Religionen und Konfessionen ist mindestens genauso wichtig, wie der Dialog mit Andersdenkenden aus den eigenen Reihen.
Nicht nur, dass Diskussionen über Unterschiede die Menschen mehr voranbringen als das sich freuen über Gemeinsamkeiten, es macht die persönliche Entwicklung überhaupt erst möglich.

Wäre es also nicht sinnvoller, die Gemeinsamkeiten der Konfessionen zu ehren, aber die Unterschiede zu pflegen?
Und wenn der andere sich für einzigartig hält, dann sollte man ihm das zugestehen, da man sich selbst ja für mindestens genauso einzigartig hält.

Wer Kalendersprüche und geheuchelte Frömmelei sucht, der braucht die Ökumene nicht. Dafür gibt es den Dalai Lama.
Alle anderen sollten aber hoffen, dass der Tag des gemeinsamen Abendmahles noch lange auf sich warten lässt. Vielmehr sollten sie sich rüsten und mit Begeisterung ins (Diskussions-) Gefecht eilen.

Ich möchte noch hinzufügen, dass obiger Text eine spontane "Eingabe" war. Ich habe bisher noch nicht alle Einzelheiten überdacht und bin daher für Hinweise auf Unstimmigkeiten dankbar.
Den Seitenhieb auf den Dalai Lama konnte ich mir nicht verkneifen.
Wie sagt man über Delphine? Vertraue keinem, der dauernd lächelt!
Kommentare (2)  Permalink

Kommentare

Dr.Roberts @ 16.07.2007 22:49 CEST
Weil ich es heute in der Vorlesung gelernt hab, was von Levi-Strauss dazu:
"Die Verschiedenheit der menschlichen Kulturen ist hinter uns, vor uns und um uns. Die einzige Forderung, die wir in dieser Hinsicht erheben können (und die für jeden einzelnen entsprechende Pflichten schafft), ist, daß sie sich in Formen realisiere, von denen jede ein Beitrag zur größeren Generosität der anderen sei." (Rasse und Geschichte, letzter Satz).
Seiner Meinung nach ist Unterscheidung nötig, um überhaupt Bedeutung zu generieren. Jedes Projekt zur Vereinheitlichung provoziert notwendig einen Trend zur Differenzierung. Beispiel vom Professor dazu: Die westliche Welt will die ganze Welt demokratisieren und hat dabei ein Feindbild in der Tasche (muss sich von den bösen Nicht-Demokratien abgrenzen).
Wann lernen die Menschen endlich mal, was zu akzeptieren, das man nicht ändern kann?
DerSP @ 17.07.2007 00:53 CEST
Das Sich-abgrenzen fängt ja schon im Kleinen an. Die Mutproben von Kindern schaffen schon Verschiedenheiten.
Tatsächlich bin ich auch der Meinung, dass Religion zu einem Großteil deswegen entstanden ist, um sich von anderen unterscheiden zu können.

Mit deinem Professor bin ich allerdings nicht ganz einer Meinung.
Mir fällt keine Demokratie ein, deren Feindbild alles Nichtdemokratische ist und die sich von allen Nicht-Demokratien abgrenzt. Deutschland z.B. ist einer der wichtigsten Handelspartner für den Iran (wobei die Bundesregierung Hermesbürgschaften in Milliardenhöhe übernimmt) und die Uniformen von Polizei und Bundeswehr werden in Weißrussland gefertigt.
Es ist sogar oft so, dass andere Demokratien von der Masse als genauso schlimm empfunden werden, wie Diktaturen und Theokratien.

Im Gegenzug aber wird die Demokratie, die die Vielheit der Kulturen als einziges System überhaupt gewährt und fördert, von Nicht-Demokratien als allgemeines Feindbild verwendet und als Rechtfertigung für Gewalt und Hass benutzt.

Dem letzten Satz deines Professors kann ich aber wieder zustimmen. Die Menschen sollten endlich akzeptieren, dass sie das Verhalten von Diktaturen nicht ändern können. Sie sollten sie endlich als Feind betrachten, da durch diese das eigene Verschieden-sein gefährdet wird.

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