Keine Gentechnik gegen Hunger
Der Artikel "Warum kehrt der Hunger zurück?" auf der ARD Homepage beschreibt Ursachen und Hintergründe der aktuellen Hungerwelle in der dritten Welt. Mittlerweile hat man sich sogar dazu durchgerungen, den Biospritanbau (m.E. der Hauptgrund) als eine der Ursachen zu benennen - keine Selbstverständlichkeit beim öffentlich rechtlichen Rundfunk. Durch den Klimawandel bedingte Umweltkatastrophen (!) haben selbstverständlich nie als Ursache gefehlt und auch bei diesem Artikel werden sie auch zuerst genannt.
Vergeblich sucht man jedoch weiterhin Hinweise auf den Protektionismus der EU (und meines Wissens auch der USA), der z.B. hohe Zölle auf importierte Agrarprodukte bewirkt hat, während durch vom europäischen Steuerzahler durch Subventionen künstlich verbilligte (und so überhaupt erst konkurrenzfähig gemachte) Produkte den Markt der dritten Welt mit Preisen überschwemmen, gegen die die dortigen Produzenten nicht mithalten können. Dass die Verbraucher sich für das günstigere Produkt entscheiden ist natürlich und gut. Dass sie sich die Produkte aber nicht mehr leisten können, wenn die Preise, aus welchen Gründen auch immer, bei uns steigen und es keine Alternativen gibt, da es kaum ortsansässige Produzenten gibt, liegt meiner (Laien-) Meinung aber daran, dass die Märkte nicht geöffnet wurden, die Globalisierung in diesem Bereich also noch nicht einmal begonnen hat.
Am Ende des ARD-Artikels wird noch auf die Gentechnik eingegangen. Grüne Gentechnik ist eine der Technologien, die die meisten Leben gerettet hat. Milliarden von Menschen wurde der Hungertod erspart und eine Verbreitung genmanipulierter Pflanzen, die im Gegenteil zur landläufigen Meinung sogar gesünder als nicht veränderte Pflanzen sind, könnte die Erträge der Ernten wiederum erhöhen.
Bei der ARD klingt das Ganze allerdings so:
Mal davon abgesehen, dass der zweite Satz suggeriert, dass es sich hier nur um die Meinung von Lobbyisten handelt, finde ich schon interessant, was die Pressesprecherin der Welthungerhilfe davon hält. Natürlich ist Gentechnik nicht DIE Lösung des Problems, sondern ein Teil der Lösung und der am einfachsten zu realisierende noch dazu. Anstatt dies zu begrüßen, verlegt sich die Welthungerhilfe lieber auf Polemik (Gen=schlecht), hat als Alternativen jedoch nur Entwicklungshilfe, die in den letzten Jahrzehnten die Macht etlicher Despoten gesichert hat, parat. Aber vielleicht ist es nicht die in Deutschland gerade moderne Technologiefeindlichkeit, die die Welthungerhilfe zu solchen Sätzen verleitet, sondern vielmehr pure Existenzangst. Ohne Welthunger gibt es nämlich keine Welthungerhilfe und das kann doch wirklich niemand wollen.
Da fällt mir noch eine Reportage über den Wiederaufbau nach dem Tsunami in Indonesien ein. Da hat sich die Welthungerhilfe beschwert, dass es nicht genügend Spendengelder gibt und diese zum Großteil nicht vernünftig eingesetzt werden können, da sie an einen bestimmten Zweck gebunden wären. Dass sie sich jedoch einen komplett neuen Fuhrpark geleistet hatten, ist selbst dem Kommentator aufgefallen...
Weitere Artikel zum Thema:
Das tägliche Brot
Global warming rage lets global hunger grow
EU defends biofuel goals amid food crises
Rising food prices could be a blessing in disguise
Vergeblich sucht man jedoch weiterhin Hinweise auf den Protektionismus der EU (und meines Wissens auch der USA), der z.B. hohe Zölle auf importierte Agrarprodukte bewirkt hat, während durch vom europäischen Steuerzahler durch Subventionen künstlich verbilligte (und so überhaupt erst konkurrenzfähig gemachte) Produkte den Markt der dritten Welt mit Preisen überschwemmen, gegen die die dortigen Produzenten nicht mithalten können. Dass die Verbraucher sich für das günstigere Produkt entscheiden ist natürlich und gut. Dass sie sich die Produkte aber nicht mehr leisten können, wenn die Preise, aus welchen Gründen auch immer, bei uns steigen und es keine Alternativen gibt, da es kaum ortsansässige Produzenten gibt, liegt meiner (Laien-) Meinung aber daran, dass die Märkte nicht geöffnet wurden, die Globalisierung in diesem Bereich also noch nicht einmal begonnen hat.
Am Ende des ARD-Artikels wird noch auf die Gentechnik eingegangen. Grüne Gentechnik ist eine der Technologien, die die meisten Leben gerettet hat. Milliarden von Menschen wurde der Hungertod erspart und eine Verbreitung genmanipulierter Pflanzen, die im Gegenteil zur landläufigen Meinung sogar gesünder als nicht veränderte Pflanzen sind, könnte die Erträge der Ernten wiederum erhöhen.
Bei der ARD klingt das Ganze allerdings so:
Mit Hilfe der Gentechnik könnte das Ernährungsproblem gelöst werden. So zumindest versprechen es die Forschungschefs von Agrarkonzernen. Die Welthungerhilfe sieht das kritisch: "Da wird über die Hintertür versucht, die Gentechnik den Entwicklungsländern aufs Auge zu drücken. Aber das ist nicht die Lösung des Problems", sagt Welthungerhilfe-Pressesprecherin Sabine Pott gegenüber tagesschau.de.
Mal davon abgesehen, dass der zweite Satz suggeriert, dass es sich hier nur um die Meinung von Lobbyisten handelt, finde ich schon interessant, was die Pressesprecherin der Welthungerhilfe davon hält. Natürlich ist Gentechnik nicht DIE Lösung des Problems, sondern ein Teil der Lösung und der am einfachsten zu realisierende noch dazu. Anstatt dies zu begrüßen, verlegt sich die Welthungerhilfe lieber auf Polemik (Gen=schlecht), hat als Alternativen jedoch nur Entwicklungshilfe, die in den letzten Jahrzehnten die Macht etlicher Despoten gesichert hat, parat. Aber vielleicht ist es nicht die in Deutschland gerade moderne Technologiefeindlichkeit, die die Welthungerhilfe zu solchen Sätzen verleitet, sondern vielmehr pure Existenzangst. Ohne Welthunger gibt es nämlich keine Welthungerhilfe und das kann doch wirklich niemand wollen.
Da fällt mir noch eine Reportage über den Wiederaufbau nach dem Tsunami in Indonesien ein. Da hat sich die Welthungerhilfe beschwert, dass es nicht genügend Spendengelder gibt und diese zum Großteil nicht vernünftig eingesetzt werden können, da sie an einen bestimmten Zweck gebunden wären. Dass sie sich jedoch einen komplett neuen Fuhrpark geleistet hatten, ist selbst dem Kommentator aufgefallen...
Weitere Artikel zum Thema:
Das tägliche Brot
Global warming rage lets global hunger grow
EU defends biofuel goals amid food crises
Rising food prices could be a blessing in disguise
Kommentare
Dr. Roberts
@ 22.04.2008 13:38 CEST
"Natürlich ist Gentechnik nicht DIE Lösung des Problems, sondern ein Teil der Lösung und der am einfachsten zu realisierende noch dazu."
Ich bezweifle stark, dass die Gentechnik so einfach zu realisieren wäre, WENN man vor ihrem Einsatz eine umfassende, kritische Folgenabschätzung durchführen müsste.
Das Problem mit der grünen Gentechnik ist nun mal, dass man in großem Maßstab Pflanzen durch andere ersetzt, deren genetischen Code (und insb. dessen Interpretation im Organismus) man nicht vollständig versteht. Wie sich die gentechnisch manipulierten Pflanzen von den ursprünglichen genau unterscheiden, lässt sich, soweit ich informiert bin, nur sehr unscharf feststellen.
Dass die gewünschten Veränderungen erreicht werden, lässt sich natürlich nachweisen, zumal sie auch genau daraufhin untersucht werden. Dass dies die einzigen Veränderungen sind, wird von den Großkonzernen, welche das Saatgut verkaufen wollen, natürlich behauptet. Aber denen traue ich in der Beziehung nicht.
Es gibt prinzipielle Unterschiede bei dem Einsatz von grüner Gentechnik und Kreuzung von Pflanzen oder Herstellung von Hybridsaatgut. Z.B. enthalten diese keine künstlich eingebrachten "Markergene", z.B. Resistenzen gegen Antibiotika!
Darüber lässt sich ja viel sagen, aber eine andere Sache scheint mir viel wichtiger:
Ich zitiere mal länger:
"Wie kann man die Not langfristig lindern?
[...]
Vor einer Generation stand die Dritte Welt vor einer ähnlichen Herausforderung. Die sogenannte grüne Revolution war die Folge: Mit dem Einsatz von Dünger, Pestiziden und Hybridsaatgut konnten die Bauern ihre Ernten erheblich steigern. Jetzt wird eine zweite grüne Revolution vorgeschlagen: Mit Hilfe der Gentechnik könnte das Ernährungsproblem gelöst werden. So zumindest versprechen es die Forschungschefs von Agrarkonzernen. Die Welthungerhilfe sieht das kritisch: "Da wird über die Hintertür versucht, die Gentechnik den Entwicklungsländern aufs Auge zu drücken. Aber das ist nicht die Lösung des Problems", sagt Welthungerhilfe-Pressesprecherin Sabine Pott gegenüber"
Jetzt sieht man, wieso die grüne Gentechnik keine LANGFRISTIGE Lösung für das Problem darstellen kann: hier wird versucht, eine zweite "grüne Revolution" zu starten, obwohl wir jetzt gerade sehen können, dass die erste keine LANGFRISTIGE Lösung des Problems war.
Ob es überhaupt realistisch ist, eine langfristige Lösung anzustreben, ist natürlich eine andere Frage ;)
Und pauschal zu behaupten, gentechnisch manipulierte Pflanzen wären gesünder, halte ich übrigens für Polemik :)
"Natürlich ist Gentechnik nicht DIE Lösung des Problems, sondern ein Teil der Lösung und der am einfachsten zu realisierende noch dazu."
Ich bezweifle stark, dass die Gentechnik so einfach zu realisieren wäre, WENN man vor ihrem Einsatz eine umfassende, kritische Folgenabschätzung durchführen müsste.
Das Problem mit der grünen Gentechnik ist nun mal, dass man in großem Maßstab Pflanzen durch andere ersetzt, deren genetischen Code (und insb. dessen Interpretation im Organismus) man nicht vollständig versteht. Wie sich die gentechnisch manipulierten Pflanzen von den ursprünglichen genau unterscheiden, lässt sich, soweit ich informiert bin, nur sehr unscharf feststellen.
Dass die gewünschten Veränderungen erreicht werden, lässt sich natürlich nachweisen, zumal sie auch genau daraufhin untersucht werden. Dass dies die einzigen Veränderungen sind, wird von den Großkonzernen, welche das Saatgut verkaufen wollen, natürlich behauptet. Aber denen traue ich in der Beziehung nicht.
Es gibt prinzipielle Unterschiede bei dem Einsatz von grüner Gentechnik und Kreuzung von Pflanzen oder Herstellung von Hybridsaatgut. Z.B. enthalten diese keine künstlich eingebrachten "Markergene", z.B. Resistenzen gegen Antibiotika!
Darüber lässt sich ja viel sagen, aber eine andere Sache scheint mir viel wichtiger:
Ich zitiere mal länger:
"Wie kann man die Not langfristig lindern?
[...]
Vor einer Generation stand die Dritte Welt vor einer ähnlichen Herausforderung. Die sogenannte grüne Revolution war die Folge: Mit dem Einsatz von Dünger, Pestiziden und Hybridsaatgut konnten die Bauern ihre Ernten erheblich steigern. Jetzt wird eine zweite grüne Revolution vorgeschlagen: Mit Hilfe der Gentechnik könnte das Ernährungsproblem gelöst werden. So zumindest versprechen es die Forschungschefs von Agrarkonzernen. Die Welthungerhilfe sieht das kritisch: "Da wird über die Hintertür versucht, die Gentechnik den Entwicklungsländern aufs Auge zu drücken. Aber das ist nicht die Lösung des Problems", sagt Welthungerhilfe-Pressesprecherin Sabine Pott gegenüber"
Jetzt sieht man, wieso die grüne Gentechnik keine LANGFRISTIGE Lösung für das Problem darstellen kann: hier wird versucht, eine zweite "grüne Revolution" zu starten, obwohl wir jetzt gerade sehen können, dass die erste keine LANGFRISTIGE Lösung des Problems war.
Ob es überhaupt realistisch ist, eine langfristige Lösung anzustreben, ist natürlich eine andere Frage ;)
Und pauschal zu behaupten, gentechnisch manipulierte Pflanzen wären gesünder, halte ich übrigens für Polemik :)
Mal der Reihe nach:
Gentechnik wäre die einfachste Lösung, da sie in der Landwirtschaft längst Alltag ist. Vor 2 Jahren wurden weltweit genmanipulierte Pflanzen auf über 100 Millionen Hektar angebaut. Auch in Deutschland bekommst du Produkte, die aus genmanipulierten Pflanzen hergestellt werden (der Hartweizen für Spaghetti ist z.B. eine Strahlenmutationszucht) und obwohl das seit Jahrzehnten geschieht, gibt es bisher keine nachgewiesenen Schäden.
Dass man den Konzernen die Untersuchung der Risiken nicht überlassen kann, ist wohl selbstverständlich. Verschiedene Länder haben daher unabhängige Kontrollgremien und auch die EU setzt immer wieder welche ein. Wie z.B. letztes Jahr, als Greenpeace mit einem Bericht kam, dass Ratten genmanipulierten Mais meiden würden. Es stellte sich heraus, dass die Untersuchung 7 Jahre alt war, in der Zwischenzeit nachgewiesen werden konnte, dass das Experiment mehrere Mängel beim Aufbau aufwies und alle Folgeexperimente kein besonderes Verhalten der Ratten nachweisen konnten. Die EU hat den Ausschuss trotzdem eingesetzt (Geld genug ist ja da) und kam zu dem Schluss, dass man zwar nicht nachweisen könne, der Mais sei schlechter als "natürlicher" Mais, der Verbraucher aber trotzdem vorsichtig sein solle.
Ich habe kritisiert, dass anhand der Wortwahl des Artikels suggeriert wird, dass lediglich Lobbyisten die Gentechnik gutheißen. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil gibt es sogar viele unabhängige Studien (ich werde demnächst mal die Quellen zusammensuchen) die belegen, dass einige genmanipulierte Pflanzen gesünder als lediglich gekreuzte Pflanzen (was der Mensch übrigens schon macht, seit er das erste Mal einen Acker bearbeitet hat) sind. So finden sich z.B. in gentechnisch verändert Pflanzen weniger krebserregende Stoffe und Fette und Öle aus solchen Pflanzen haben einen geringeren Anteil freier Fette und senken z.T. sogar den Cholesterinspiegel.
Um deinen letzten Satz hier aufzugreifen habe ich auch nicht pauschal behauptet, solche Pflanzen wären gesünder. Ich würde aber behaupten, dass die von unabhängigen Ausschüssen freigegebenen Pflanzen auf keinen Fall weniger gesund sind und durch einen geringeren Gebrauch von Düngemittel und Pestiziden auch besser für die Böden sind.
So lange sich die Menschheit derart stark vermehrt, kann eine Veränderung des Saatgutes auch keine langfristige Lösung sein (aber selbst die ARD konnte nicht leugnen, dass das in den letzten 48 Jahren super geklappt hat). Irgendwann stößt man immer an Produktionsgrenzen, vor allem wenn der Ökofanatismus der "Reichen" zu einer großen Nachfrage an Nahrungsmitteln für "Biotreibstoff" führt.
Deswegen habe ich die grüne Gentechnik als Teil der Lösung beschrieben. Da sie bereits verfügbar ist, könnte man sie sofort einsetzen und somit erstmal das größte Elend verhindern. Eine langfristige Lösung wären die Demokratisierung (selbst in armen Demokratien gab es noch nie große Hungerwellen) der betroffenen Länder und ein Anheben des Wohlstandes (was oft Hand in Hand geht). Dadurch würde sich automatisch die Geburtenrate senken und die Leute müssten nicht mehr 90-100% ihres Geldes für Nahrungsmittel sondern z.B. nur noch 30% oder weniger für Nahrungsmittel ausgeben. Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln würden somit nicht direkt zu Hunger führen.
Wie bereits im Hauptartikel geschrieben, könnte die Globalisierung, also das Abschaffen der EU-Schutzzölle und der Zölle zwischen den afrikanischen Staaten, den Afrikanern endlich den Zugang zu unseren Märkten ermöglichen. Das wäre m.E. die langfristige Lösung, aber erklär das mal den Europäern.
Nachtrag:
Die EU-Komission benutzt bei der Sicherheitsprüfung das von der OECD formulierte Prinzip der substantiellen Äquivalenz.
Da z.B. Öle mit verändertem Fettsäurespektrum und mit Provitamin-A angereicherter Reis keine wesentliche Gleichwertigkeit mit dem Ausgangsorganismus aufweisen (und da ist es wirklich egal, ob sie nun gesünder sind oder nicht), sind sie in der EU nicht zugelassen.
Hier findet man eine Liste mit allen in der EU zugelassenen genmanipulierten Pflanzen:
http://www.transgen.de/zulassung/gvo/
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