Ich bin kein großer
Fan der Kopfpauschale, sehe sie aber als einen Schritt in die richtige
Richtung. Heute landete in meiner Mailbox der Aufruf der SPD, eine Petition
gegen die Einführung dieser Pauschale zu unterzeichnen. In dem Schreiben steht
allerlei Unsinn, auf den ich hier schnell eingehen will. Am einfachsten halte
ich mich an die Zusammenfassung, die die SPD freundlicherweise schon
mitgeschickt hat:
Die Kopfpauschale
zerstört das Solidarprinzip.
Die Kopfpauschale ist
ungerecht. Geringverdiener müssen genauso viel bezahlen wie Besserverdiener.
Die Kopfpauschale
führt direkt in ein Drei-Klassen-System. Bessere Leistungen werden nur noch
über Zusatzversicherungen zu bekommen sein und erstklassige Leistung nur noch
für Privatpatienten.
Die Kopfpauschale ist
unbezahlbar. Ein sozialer Ausgleich über das Steuersystem würde 35 Milliarden
Euro kosten. Die Mehrwertsteuer müsste um bis zu vier Prozentpunkte steigen.
1. Abgesehen von
Selbstständigen und Beamten kann man sich erst ab einem Gehalt von knapp 50000
€ im Jahr privat versichern. Für diese Gehaltsstufe ist die private
Versicherung in vielen Fällen trotz Beitragsbemessungsgrenze günstiger als die
Gesetzliche. Man kann also davon ausgehen, dass der Großteil der Beamten, viele
Selbstständige und die besser verdienenden Angestellten privat versichert sind
und keinen Pfenning in das Umlagesystem der GKKs einzahlen. Bei der
Kopfpauschale sollen diejenigen, die sich den Beitrag nicht leisten können, aus
Steuergeldern Unterstützung erhalten. Daher zahlen alle Steuerzahler mit, egal
wie sie versichert sind und durch die Progression des Steuersatzen geben die
Besserverdienenden prozentual und absolut mehr als die Arbeitnehmer in
den unteren Lohnstufen. Das Solidarprinzip wird also, im Gegensatz zu der
Behauptung der SPD, gestärkt.
2. Leute, die mit
"Gerechtigkeit" argumentieren, sind mir immer ein wenig suspekt. Der Begriff
ist viel zu schwamming und man wird nie einen Zustand erreichen, den alle als
gerecht empfinden. Wie ich aber bereits
unter 1. dargelegt habe, erfolgt der Ausgleich bei der Kopfpauschale nicht mehr
über den Krankenkassenbeitrag, sondern über die Steuern . Es zahlen also auch
weiterhin die Besserverdienenden (und diesmal alle, wie gerecht!) relativ und absolut mehr und die,
die sich den Beitrag nicht leisten können, bekommen ihn geschenkt.
3. Den Punkt mit dem
Drei-Klassen-System verstehe ich zugegebnermaßen nicht so recht. Durch die
Kopfpauschale würden die GKKs auch für Privatversicherte wieder interessant,
wodurch sich endlich der benötigte Wettbewerb zwischen den Kassen entwickeln
würde. Und wenn man eines aus der Wirtschaftsgeschichte lernen kann, dann ist
es die Tatsache, dass Wettbewerb die Preise senkt und die Qualität hebt. Im
Idealfall würde sich dieser Wettbewerb auch noch auf die völlig verflochtene
Pharma- und Apothekenlandschaft ausweiten, aber da bin ich sowieso für
drastischere Maßnahmen. Falls mir jemand den
Punkt der SPD erklären kann, ohne die positive Wirkung des Wettbewerbs zu
leugnen, wäre ich sehr verbunden ;)
4. Der letzte Punkt
ist der kurioseste. Wo die 35 Milliarden zum ersten Mal aufgetaucht sind, weiß
ich nicht genau. Soweit ich weiß, war
das in der kleinen Anfrage der Grünen, in der sie wissen wollten, wie sich die
Steuern ändern, wenn 22 bzw. 35 Mrd. Euro
Mehrbelastung durch den steuerlichen Sozialausgleich entstehen. In einem
Schreiben des Finanzministeriums wird gesagt, dass es tatsächlich sehr
kostspielig wäre, wenn man ohne Übergangszeit von dem jetzigen System auf die
Kopfpauschale umsteigen würde. Nur hat das niemand vor. Des weiteren steht in
dem Schreiben, dass man nicht davon ausgeht, dass es zu einer Mehrbelastung
kommt, wenn der Übergang nicht abrupt stattfindet. Genaueres könne man aber
nicht sagen, da für eine Berechnung erst einmal ein Konzept der Regierung
vorliegen müsse. Leider habe ich die Quelle für das Schreiben nicht zur Hand,
werde es aber schnellst möglich nachreichen. Unser Finanzminister, neuerdings
ein Gegner der ursprünglich von der CDU erdachten Pauschale, hat aus dem
Schreiben übrigens nur die Mehrbelastung bei einem direkten Systemwechsel
erwähnt. Die Mehrwertsteuererhöhung von 4% dürfte in die selbe Kategorie
fallen, wie die Berechnung, der Spitzensteuersatz müsste auf 75-100% steigen,
um die Kopfpauschale finanzieren zu können.
Update: Leider finde ich keine Quelle mehr zu dem im Text erwähnte Schreiben (es war nicht die Antwort auf die kleine Anfrage), es kann also als Argument nicht anerkannt werden. Statt Steuern zu erhöhen könnte man aber auch einfach Ausgaben senken. Dass die Etatisten daran nicht denken, überrascht mich nicht.